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Vom Anlagemarkt - Verschleppte Zinswende

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Frank Hoster ist Anlageexperte bei der Sparkasse am Niederrhein.

NIEDERRHEIN. Es gibt Hinweise, dass die Europäische Zentralbank (EZB) das monatliche Ankaufsvolumen für Staatsanleihen von derzeit 60 Milliarden Euro deutlich reduzieren will. Läutet das endlich die Wende zu langfristig höheren Zinsen ein? Wie immer hat die Medaille zwei Seiten. Denn eine Reduzierung um die Hälfte oder mehr des Ankaufsprogrammes könnte gleichzeitig bedeuten, dass die lockere Geldpolitik noch eine Weile dauert. Eine Verlängerung bis Jahresmitte 2018, möglicherweise sogar bis Ende des dritten Quartals, ist sogar wahrscheinlich.

Parallel dazu steigen die Preise diverser Vermögensklassen. Und das macht inzwischen einige mehr als nervös. Denn niemand weiß bislang, welche Auswirkungen die geldpolitischen Geschenke mittel- oder langfristig haben werden. Selbst der Regulierungsbehörde, die Risiken für das Finanzsystem ermitteln, bewerten und mindern soll, fehlt dazu die Erfahrung. Niemand weiß, ob sich angesichts des durch den Niedrigzins stark gewachsenen Renditehungers auf der einen und der lockeren Geldpolitik auf der anderen Seite nicht doch so etwas wie eine gefährliche Kursblase entwickelt.

Will man das Risiko begrenzen, führt wohl kein Weg an einem schrittweisen Ausstieg aus der geldpolitischen Expansion vorbei. Aussagen von EZB-Vizechef Constancio deuten darauf hin, dass diese Überlegungen selbst im Kreis der Verfechter einer ultralockeren Ankaufspolitik an Einfluss gewinnen. EZB-Mitglieder Weidmann und andere fordern schon länger den Exit aus dem Kaufprogramm. Sie dürften angesichts der jüngsten Warnungen internationaler Organisationen, dass die Zinswende verschleppt werde, nun mehr Gehör finden.

Autor Frank Hoster ist Anlageexperte bei der Sparkasse am Niederrhein.

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25.10.2017