Sparkasse: Erste türkische Auszubildende vor 25 Jahren

Sükran Tirpan vor der Sparkassen-Geschäftsstelle in Repelen. Hier arbeitet sie seit 25 Jahren.

MOERS. Für Sükran Tirpan ging vor 25 Jahren ein Traum in Erfüllung. „Ich wollte gerne Bankkauffrau werden, aber ich musste hart dafür kämpfen“, sagt die 1963 in der Türkei geborene Sükran rückblickend. Sie war sieben Jahre alt, als sie aus ihrem Heimatdorf in der Nähe des Marmarameeres nach Repelen kam und kein Wort Deutsch konnte. Mit 19 schloss sie die Hauptschule mit der Fachoberschulreife ab. In den Jahren zuvor hatte sie ihren Vater oft in die Sparkasse begleitet, um zu dolmetschen. Sükran: „Mein Berufswunsch stand fest.“

Ihr Vater Sükrü Korkmaz, der bereits 1963 nach Moers gekommen war, sah das anders. „Es war damals nicht üblich, dass eine Frau eine qualifizierte Berufsausbildung macht“, sagt sie. Mit Hartnäckigkeit und guten Argumenten setzte sie sich durch und bekam vom Vater die Erlaubnis, sich zu bewerben. Die nächste Hürde stand ihr damit noch bevor. Mit dem Hinweis, man nehme nur Abiturienten, erhielt sie von der Deutschen Bank eine Absage. Entsprechend gedämpft waren ihre Erwartungen, als sie auf die Antwort der damaligen Sparkasse Moers wartete.

Nie zuvor hatte die Sparkasse eine türkische Auszubildende oder einen Auszubildenden eingestellt. Entsprechend sorgfältig ging der damalige Ausbildungsleiter Wilfried Höpker vor, um alles richtig zu machen. Sükran Tirpan: „Herr Höpker kam damals in meine Schule und unterhielt sich mit meinen Lehrern, ob ich auch wirklich für den Beruf geeignet sei.“ Sie erhielt eine Zusage und begann als einzige Hauptschülerin mit weiteren 17 Abiturienten sowie Real- und Handelsschülern die Ausbildung zur Bankkauffrau.

„Meine Landsleute haben sich sehr darüber gefreut, dass sie in der Sparkasse mit einer Türkin in ihrer Muttersprache sprechen konnten“, sagt Sükran Tirpan, die die vergangenen 25 Jahre fast ausschließlich in der Geschäftsstelle in Repelen gearbeitet hat. Anlässlich ihres Dienstjubiläums erinnerte sie sich an die ersten Erfahrungen. „Ich habe von morgens bis abends gelernt, ich war sehr ehrgeizig und ich wollte gut sein.“ Es dauerte noch eine Weile, bis sie auch ihren Vater davon überzeugt hatte, dass es der richtige Weg für sie war. Und es bedeutet ihr heute ganz viel, dass der Vater ihr vor einigen Jahren gesagt hat, dass er sehr stolz auf sie ist.

Inzwischen sind Sükran Tirpan und ihr Mann Yilmaz selber Eltern. Tochter Aylin Susan ist jetzt zehn und wird ab dem nächsten Schuljahr das Gymnasium in Rheinkamp besuchen. Bei einer Hochzeitsfeier in der Familie ist ihr unlängst noch einmal klar geworden, dass sie vor 25 Jahren einen damals noch sehr seltenen Weg für eine junge, türkische Frau gegangen ist. Sükran: „Es gibt kaum Frauen meines Alters, die in einem vergleichbaren Beruf arbeiten.“

20.12.2007